Flash Mob á la Taiwan

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Daniederliegen zwischen Shopping Mall und Hunde-Model Show

Eine Gruppe aus 30 schwarz gekleideten, jungen Leuten versammelt sich vor dem weiß gekachelten Gebäude der „China Trust“ Bank im Xinyi-Finanzbezirk von Taipei. Sie drücken sich am überdachten Eingang herum. Es ist Samstagvormittag, der 2. März 2013, ein kalter und regnerischer Tag. Vereinzelt erhellen die bunten aufgespannten Regenschirme die schwarze Masse. „Taipei 101“, das Wahrzeichen Taipeis und das zweitgrößte Gebäude der Welt, blickt auf sie hinunter.

Es sieht nicht danach aus, aber hier soll gleich ein Flash Mob stattfinden. Die Veranstalter gehören zur Organisation „Friends of Tibet“, oder sind Mitglieder der Demokratischen Fortschrittspartei. Mit dem Flash Mob möchten sie auf die Selbstverbrennungen von Mönchen in Tibet aufmerksam machen, die China Politik kritisieren und für die Unabhängigkeit von Tibet eintreten. Ein delikates Thema. Die taiwanischen Tibet-Aktivisten fühlen sich mit den Tibetern in einem gemeinsamen Schicksal verbunden: Sie wollen die Unabhängigkeit von China. Der Flash Mob gilt als Vorbote für die Demonstration, die am 10. März 2013, zum 54. Jahrestag des tibetischen Aufstands gegen die kommunistische Regierung der Volksrepublik China, stattfindet.

Eine halbe Stunde vergeht, es wird gewartet, diskutiert und wieder gewartet. Dann zieht sich die Gruppe in die Lobby der „China Trust“ Bank zurück. Transparente werden gefaltet, entrollt, Schilder an Holzstangen genagelt, einige tibetische Aktivisten trudeln ein und 10 Minuten später brechen sie rasch auf. Ich versuche Schritt zu halten und wundere mich darüber, dass die Security-Guards, die unterwegs sind, gänzlich unbeteiligt wirken und sich nicht dafür interessieren.

Nach ein paar hundert Metern ist Schluss, wieder wird gewartet. Auf den Postern sind Fotos von Mönchen zu sehen, die sich verbrannt haben. Sie werden namentlich genannt, zusammen mit dem Datum an dem sie sich verbrannt haben. Das scheint mir weniger ein Flash Mob, als ein beginnender Demonstrationszug zu sein, der mittlerweile auf circa 50 Personen angewachsen ist.

Der Gedanke an einen „Confused Flash Mob“ wurde jedoch schnell weggewischt, als sie plötzlich um 14 Uhr los rannten. Nach 100 Metern kamen sie zum stehen und legen sich mit ihren Postern und Transparenten in einem Kreis auf den Platz vor einer Shopping Mall nieder. Eingeweihte warten schon mit Fotoapparaten und Kameras, um den Flash Mob zu dokumentieren und ins Internet zu stellen.

Passanten holen ihre Mobiltelefone aus den Taschen und filmen amüsiert. Die schwarzen Regenponchos der Flash Mob Teilnehmer in Taiwan sitzen und manche legen sich auch ohne Regencape auf den nassen Boden. Die Tibet Fahne wird entrollt und von zwei Tibetern gehalten; sie singen eine Hymne und rufen „Free Tibet“ während der liegende Kreis stumm bleibt. Ein Ausreißer ist dabei, der mit ruft und mit singt. All das vor der bizzaren Kulisse eines Einkaufszentrums und einer Outdoor-Hundeshow. Huskys in Superman-Kostümen warten auf ihren Auftritt, hellbraune Dackel mit frischer Fönfrisur sitzen schon auf der Bühne und warten auf die Preisverleihung und Chihuahuas werden im Leopardenanzug mit Kapuze in einem rollenden Wagen durch die Gegend gezogen. Die leicht bekleidete Bikini-Moderatorin sprach noch lauter in ihr Mikrofon um die aus voller Kehle vorgetragenen Parolen und Lieder der Tibet-Aktivisten zu übertönen.

Der „Flash Mob á la Taiwan“ dauerte ungefähr fünf Minuten. So schnell wie sie gekommen waren, standen sie auf, packten ihre Sachen zusammen und gingen wieder. Ob diese Aktion einen beleibenden Eindruck hinterlassen hat? Im Internet vielleicht, auf der Straße nicht.

Listen to the „Volume Battle“ between the activists and a female dog-show moderator right beside the flash mob

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